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Standard "Verhalten bei unangekündigten MDK-Kontrollen"

Definition: Der § 80 des SGB XI gibt dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen umfangreiche Möglichkeiten, die Qualität von stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen zu überprüfen. Dazu zählen auch unangekündigte Kontrollen. Auslöser solcher Kontrollen sind zumeist Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen, Ärzten oder von ehemaligen und aktiven Mitarbeitern der Pflegeeinrichtungen. Weitere Gründe können entsprechende Hinweise von der Heimaufsicht oder der Presse sein.
Grundsätze:
  • Wir sind dazu verpflichtet, die Kontrollen durch den MDK zu dulden. Innerhalb bestimmter Grenzen besteht unsererseits eine Auskunftspflicht gegenüber den MDK-Mitarbeitern.
  • Mittels einer unangekündigten Kontrolle will der MDK zumeist den Vorwurf schwerwiegender Mängel entweder bestätigen oder ausräumen. Es handelt sich also dabei um einen ernstzunehmenden Vorgang.
  • Allen Mitarbeitern muss dabei aber bewusst sein, dass die Befugnisse des MDK beschränkt sind. Gegen unberechtigte Vorwürfe und Auflagen wird unsere Einrichtung mit angemessenen Mitteln vorgehen, dies umfasst insbesondere rechtliche Schritte. Der Fortbestand unserer Einrichtung und aller Arbeitsplätze hängt nicht vom Wohlwollen einzelner Prüfer ab.
  • Mitarbeiter des MDK werden stets freundlich und zuvorkommend behandelt. Diskussionen über Sinn und Unsinn der Kontrolle sind zwecklos und daher zu unterlassen.
  • Alle Diskussionen werden sach- und nicht personenbezogen geführt. Etwaige abschätzige Bemerkungen der MDK-Prüfer werden ignoriert.
  • Wenn Mitarbeiter zu Themen befragt werden, die außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches liegen, so antworten diese nicht. Es ist besser, freundlich auf den Vorgesetzten zu verweisen, als sich um "Kopf und Kragen" zu reden.
  • Nach Möglichkeit sollte kein Mitarbeiter allein mit den Prüfern sprechen, sondern stets auf einen Zeugen zurückgreifen können. Dies gilt besonders für alle Nicht-Führungskräfte.
Ziele:
  • Unsere Bewohner und deren Angehörige sollen nicht unnötig beunruhigt werden.
  • Die offenbar gegen unsere Einrichtung vorgebrachten Vorwürfe müssen entkräftet werden.
  • Das Überraschungsmoment einer unangekündigten Kontrolle muss so rasch wie möglich überwunden werden. Daher ist es von größter Bedeutung, die Führungskräfte schnellstmöglich zu alarmieren und vor Ort zu versammeln. Dies gilt ebenso für Führungskräfte, die zwar im Urlaub sind, aber dennoch kurzfristig vor Ort sein können.
  • Mitarbeiter geraten bei einer derartigen Kontrolle unter großen mentalen Stress und liefern dem MDK häufig voreilige, unzutreffende oder unvollständige Informationen. Daher ist eine Befragung unvorbereiteter Mitarbeiter unter Abwesendheit der Führungskräfte stets zu vermeiden.
Vorbereitung:
  • Der Besprechungsraum ist stets sauber und aufgeräumt. Kleine Erfrischungen sind stets vorrätig.
  • Auf einer ständig aktuellen Telefonliste sind die Privat- und Mobilnummern der Führungskräfte verzeichnet. Der Standort dieser Liste ist allen Mitarbeitern bekannt. Folgende Mitarbeiter sollten immer per Mobiltelefon erreichbar sein: alle Wohnbereichsleitungen, die Pflegedienstleitung, der Qualitätsbeauftragte sowie die Heimleitung und die Geschäftsführung.
  • Alle wesentlichen Informationen zu unserer Einrichtung sind in einem Ordner zusammengefasst (siehe Checkliste "Ordner für MDK-Kontrollen"). Die Qualitätsbeauftragte (ggf. ändern) ist dafür verantwortlich, diesen Ordner stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Dieser Ordner ist so gekennzeichnet, dass er sich klar von allen anderen Ordnern unterscheidet. Jeder Mitarbeiter kennt die Position des Ordners.
  • Das Verhalten gegenüber MDK-Prüfern wird in Rollenspielen regelmäßig trainiert. Insbesondere wird geübt, wie Antworten auf Fragen, die außerhalb der individuellen Kompetenz liegen, vermieden werden können.
Durchführung:
  • Sobald die Prüfer die Einrichtung betreten, sind die ersten zwei unserer Mitarbeiter, auf die die Prüfer treffen, für die Einleitung der nächsten Schritte zuständig.
  • Der erste Mitarbeiter begleitet die Prüfer in den Besprechungsraum. Den Prüfern werden Kekse, Kaffe, Saft und Mineralwasser angeboten. Sollten die Führungskräfte nicht vor Ort verfügbar sein, werden die Prüfer um etwas Geduld gebeten.
  • Der zweite Mitarbeiter informiert telefonisch die Führungskräfte über das Eintreffen der Prüfer. Sollte es unmöglich sein, innerhalb von fünf bis zehn Minuten die Führungskräfte vor Ort zu versammeln, übergibt der Mitarbeiter den "Ordner für MDK-Kontrollen" an die Prüfer.
  • Alle Wohnbereiche und Schichtleiter im Haus werden informiert. Sollten die Prüfer zunächst die Strukturdaten des "Ordners für MDK-Kontrollen" durchsehen, bleibt eine Zeitreserve auf den Wohnbereichen für weitere Vorbereitungen.
  • Sobald die Führungskräfte vor Ort sind, entscheiden diese über weitere Maßnahmen. So können etwa weitere Mitarbeiter aus ihrer Freizeit in die Einrichtung gerufen werden, um den zusätzlichen Arbeitsaufwand abdecken zu können.
Kompetenzverteilung:
  • Es ist sehr wichtig, dass stets nur der Mitarbeiter auf Fragen der MDK-Prüfer antwortet, der im jeweiligen Themenspektrum über die größte Kompetenz verfügt. Die Kompetenzen sind wie folgt verteilt:
  • Heimleitung / Geschäftsführung: Fragen zum Versorgungsvertrag, Heimvertrag, Leistungsbeschreibung, Zusatzleistungen, Heimbeirat, Bewohnerstruktur usw.
  • Pflegedienstleitung: Fragen zur Dienstplanerstellung, Pflegeleitbild, Pflegemodell, Pflegedokumentation, Pflegestandards usw.
  • Qualitätsbeauftragte(r): Fragen zu Pflegevisiten, Qualitätszirkel, QM-Handbuch, Personalentwicklung usw.
  • Hygienebeauftragte(r): Fragen zu Hygieneplänen, Hygienestandards, Statistiken zu Infektionen im Haus, Auswahl von Hygieneprodukten usw.
  • Wundbeauftragte(r): Fragen zur Wundvisite, Auswahl der Verbandsmaterialien, Wunddokumentation, Auswahl geeigneter Matratzen und Lagerungshilfsmittel usw.
Nachbereitung:
  • Nach jeder Kontrolle wird die Wirksamkeit dieses Standards kritisch hinterfragt und Verbesserungen diskutiert.
Dokumente:
  • Telefonliste
  • Ordner für MDK-Kontrollen
Qualifikation / Verantwortlichkeit:
  • alle Pflegekräfte


Annika Klugkist, Albert-Einstein-Ring 4, 29331 Lachendorf, Tel. 0160 16 17 17 8, Fax (032) 12 11 97 76 0, E-Mail: info@pqsg.de, Annika Klugkist ist ein Einzelunternehmen.